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Vetements: Von der Kunst und Notwendigkeit der Aneignung

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 22.01.2018
Lesedauer
access_time 2 Minuten
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"Ist nicht alles Aneignung? Ich denke, es ist wichtig, da ganz ehrlich zu sein. Wir leben in einer Welt voller Einflüsse, die existieren, um nachgeahmt zu werden", sinniert Demna Gvasalia.


Vetements -Herbst 2018 - PixelFormula


Für die Vetements-Show begaben sich alle respektablen Moderedakteure in die nördlichsten Ausläufer der französischen Hauptstadt, um der Veranstaltung in den Antiquitäten- und Flohmarkthallen "Marché Paul Bert" an der Seite von Courtney Love beizuwohnen. Die Models – wilde, rebellische Jugendliche, die zum Teil aus Demna Gvasalias Heimat Georgien stammen, stampften und stolzierten den leidenschaftlichen Modefans, belustigten Zuschauern und ein paar wütenden Verkäufern entlang und bahnten sich auf den Laufstegen einen Weg durch die Hallen.

Die gezeigten Outfits bestanden aus seltsamen, wunderschönen Kompositionen – so insbesondere die Shirts, auf denen ausgefallene Prints von Gebäuden, Süßigkeiten, ja gar Marilyn Manson zusammentrafen. Die durchlöcherten Cargo-Hosen und Offiziersmäntel erinnerten an heimkehrende Soldaten oder Flüchtlinge der Operation Desert Storm. Für den Weg zu riesigen Rave Parties in kalten Winternächten bot das Label warme Parkas, mit großflächigem Vetements-Abzeichen oder mit externem Branding. Aus der Zusammenarbeit mit Reebok entstanden aufgeblasene Sportschuhe mit dicken Sohlen.

"Das Schwierigste war es, alles authentisch alt zu gestalten. Denn das ist einfacher gesagt als getan", schmunzelte der Designer.

Die Kollektion war die erste seit der Verlegung des Konzernhauptsitzes in die Schweiz. Dieser Umzug schlug sich deutlich in der Qualität der präsentierten Produkte nieder, auch wenn die Kollektion weiterhin in Italien hergestellt wird. Gezeigt wurde ein sehr anspruchsvoller Streetstyle, als Eröffnungslook eine falsche Grande Dame in braunem Nylonmantel mit blauen Jacquard-Ärmeln und Jackie-Onassis-Sonnenbrille. Die augenscheinlichste Neuerung war jedoch die Einführung von Schriftzügen, mit ganzen Wörtern und Sätzen auf T-Shirts in Übergröße. Auf einem stand gar "Russia Don’t Mess with Me", was als Anspielung auf Demna Gvasalis’ Jugend ausgelegt werden kann. Der Kreativdesigner wurde in seiner Kindheit nach dem Krieg gegen Russland gezwungen, mit seiner Familie aus dem georgischen Territorium Abchasien zu fliehen.

Ein Augenzwinkern in Richtung seiner eigenen verspielten Anspielung auf seine Jugend, als er in der alten Sowjetunion von Dingen träumte, die nicht erhältlich waren, wie beispielsweise ein Marilyn-Manson-T-Shirt.

"Es ging um meine Lieblings-T-Shirts, die alle ganz zerschnitten wurden. Daraus entstanden eigenartige Botschaften. Das war nicht geplant, doch sehe ich dies als eine glückliche Fügung des Schicksals, schmunzelte Demna Gvasalis am Rande des Trubels rund um den Antiquitätenmarkt.
 

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