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DPA
Veröffentlicht am
07.04.2010
Lesedauer
3 Minuten
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Yohji Yamamoto: «Ich will ein Feuer entfachen»

Von
DPA
Veröffentlicht am
07.04.2010

Tokio (dpa) - Auf diesen Moment haben seine Fans lange gewartet. Als Yohji Yamamoto den Laufsteg in Tokio betritt, schenkt ihm das Publikum lange Applaus. «Verzeiht mir, Japan vergessen zu haben», sagt Yamamoto, für den 3000 Landsleute an diesem lauen Frühlingsabend ins Yoyogi National Stadium gekommen sind. Seit 19 Jahren hat der berühmte Designer keine seiner Kollektionen mehr in seiner japanischen Heimatstadt gezeigt. Doch jetzt ist der Meister mit dem grauen Spitzbart und dem hageren, freundlichen Gesicht zurück. Und er hat Großes vor: «Die Männermode in Japan leidet. Daher hoffe ich, ein Feuer zu entfachen», sagt der 66-Jährige, der sich selbst eigentlich gar nicht als Modeschöpfer, sondern lieber als Schneider bezeichnet.


Yohji Yamamoto Herbst/Winter 2010/11

«Japan hat sich in diesen 19 Jahren sehr verändert», erzählt Yamamoto im Gespräch mit einer Handvoll Journalisten. Die Modeszene werde heute von billiger Massenware dominiert. Verachtend spricht der Japaner von «Fast Fashion». «Man konsumiert Klamotten nur noch, man lebt Kleidung nicht mehr», klagt Yamamoto. «Das ist etwas, was wir umkehren müssen, sonst verschwindet die Mode aus Japan». Yamamoto, dessen Tokioter Unternehmen Yohji Yamamoto 2009 Insolvenz anmelden musste und nach Übernahme durch eine japanische Investmentfirma umstrukturiert wird, fühlt sich durch die Billig-Konkurrenz jedoch nicht bedroht. «Ich denke bloß: 'Geht zur Hölle'».

Yamamotos Rückkehr auf den Laufsteg seiner Heimatstadt erfolgt zu einer Zeit, da die durch die Krise schwer gebeutelte Luxusmodebranche wieder auf bessere Zeiten hofft. Mit alten japanischen Kinderliedern, die eine Band an diesem Abend zur Begleitung der Show spielt, will Yamamoto Fröhlichkeit ausstrahlen. Seine Models lächeln ins Publikum, machen Scherze, flirten. Die Stimmung im Saal ist so locker wie die Mode, die Yamamoto zeigt. Bei seinen Entwürfe, mit denen er auf seine japanischen Wurzeln zurückgreift, dominieren wie gewohnt vor allem Schwarz, Weiß und Grautöne. Er drapiert, wickelt und knotet die Stoffe; schafft abstrakte Silhouetten, Modelle, die durch Asymmetrie geprägt sind und doch locker und scheinbar formlos wirken.

Der 1943 in Tokio geborene Künstler will seine Landsleute in diesen Zeiten der Wirtschaftskrise aufheitern, so wie es die Kinderlieder nach dem Krieg taten. «Ich bin Japaner und habe Japan 20 Jahre lang vergessen», sagt Yamamoto. Das wolle er jetzt wieder gutmachen. Sicherlich geht es auch ums Geschäftliche. Doch anders als auf dem Wachstumsmarkt China sowie in Hongkong, wo Yamamoto schon in Kürze Geschäfte aufmachen will, hat er keine solchen Pläne für Japan.

Dem Designer, der seine Mode nach wie vor in seiner Heimat fertigt, geht es um etwas Wichtigeres: um die Zukunft seines Landes. Amerika sei stark in der Computerindustrie, Taiwan und andere asiatische Länder in der Halbleiterindustrie, und was bleibe Japan? «Das Prinzip der Schönheit», gibt sich Yamamoto die Antwort selbst. «Vielleicht sollten wir uns nicht mehr anstrengen, eine große Wirtschaftsmacht zu bleiben, sondern unsere Energie in eine andere Richtung lenken.» Was Yamamoto damit meint, zeigt er auf dem Laufsteg. Es gehe ihm um Sinnlichkeit: «Lasst uns Japan zu einem Land machen, das Sinnlichkeit ausstrahlt und dafür respektiert wird».

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